Prechtig

Er, der sich sonst so gerne spiegelt, nicht wie ‘Alice’ hinter den Spiegeln versteckt, hat nun im Spiegel 37/2013 für manche Universität, die im Forschungsrausch deliriert, sehr unangenehme Wahrheiten so klar aufgezeigt, wie es sich Schopenhauer immer wünschte, wenn die richtigen Worte für Missentwicklungen gefunden werden sollten. Richard David Precht sieht Universitätsdisziplinen der Gesellschaftswissenschaften in ihrem Messdatenwahn unter turmhoch geschichtetem Material kollabieren.

Der Run auf empirische Evaluationen knebele Interventionen und Interpretationen ins Korsett der Zahlen, unterlaufe die Suche nach qualitativen Entwicklungen und zerquetsche in einem ‘seelenlosen Treiben’ Einwände und Mahnungen. “Wer die Welt verifiziert, statt sie zu lenken”, schreibt Precht, “schaufelt mit an diesem Graben des Unvernehmens, der den schleichenden Niedergang von Politik und Gesellschaftswissenschaften zementiert.”

prechtigMan wundert sich nicht, denn die Verifizierer werden aus einem Pool gefischt, in dem sich Personen tummeln, die weder erfahren noch kundig sind.

Wie wäre es denn, wenn ein Universitätsrektor diesen Datenverarbeitungshypern die Kabel durchknipsen würde? Damit die in ihren Hasenställen auf Bildschirme Starrenden mal wieder zu den leibhaftigen Wesen, die sich im tatsächlichen Schulalltag an Vogelnestern, Kastanien, Eierschachteln und Büchern und der Wirklichkeit der Sprache erfreuen, Nähe suchen müssten.

“Wer sich an Zahlen orientiert”, so Precht, “setzt seinem Denken enge Grenzen.” Die Konsequenz aus diesem noch nicht ganz zu Ende formulierten Satz, hieße dann doch wohl: All denjenigen, die sich z. B. mit der immensen PISA – Daten – Huberei überheben, sollte in Sichtweite der Realität die Aufgabe gestellt werden, kreative Optionen aufzuzeigen. Damit wäre auch Bildungspolitikern der Sumpf trocken gelegt, aus dem das „virtuose Gequake kaltgestellter Frösche, die in ihrem Sumpf desperieren,“ so Precht, zu hören sei. Desperieren heißt: Verzweifeln.

Die Vorbereiter der Quantifizierungswelle sitzen im Mikrokosmos Universität fest, „abgeschottet vom windigen Alltag, in einer Brutstätte von Eitelkeiten“ – aber das ist aus John Williams „Stoner“ abgeschrieben.

Der hat’s selbst so erlebt und fand das gar nicht prächtig.

Hooks Ghost
Hook’s Ghost schickt uns häufig Artikel zu. Captain Hook ist bekannt als exzentrischer Chef einer Piratenbande, der besonders durch seine Kleidung sowie sein ausschweifendes Verhalten auffällt. Leider verlor der Arme bei einer sehr schmerzhaften Begegnung mit einem Krokodil seine Hand. Damals hatte er noch Glück… An jenem Tag des starken Sturms sank leider sein Schiff und dieses Mal war es den Krokodilen nicht verwehrt, ihn ganz aufzufressen. Natürlich wollte Hook nicht in Frieden ruhen. Daher fing sein Geist an zwischen den Welten der Lebenden und der Toten umher zu irren. Seither greift er als Literat und Mäzen der Schriftsteller immer wieder zur Feder, um seine Wanderungen zu schildern.