Migrationsbedingte Zwei-/Mehrsprachigkeit im finnischen Fremdsprachenunterricht

Conférence-3541Petra Linderoos (Jyväskylä Universität, Finnland) beschreibt den finnischen Fremdsprachenunterricht Herangehensweise im Bezug auf Migrationsbedingte Zwei-/Mehrsprachigkeit.

Traditionsgemäß ist FSU ein wichtiger Bestandteil finnischer Lernpflicht. Die demographische Entwicklung in Finnland der letzten Jahre konfrontiert finnische Fremdsprachenlehrer mit einer neuen Realität, da man immer seltener von monolingualen Lerngruppen ausgehen kann.

Forschungsziel ist es, herauszufinden, wie sich der Umgang mit migrationsbedingter Zwei-/Mehrsprachigkeit im finnischen FSU aus der Perspektive der Lehrer, Schüler und Erziehungsberechtigten gegenwärtig beschreiben lässt. Schwerpunkte sind die individuelle Sprachlernerfahrungen und die Sprachbewusstheit.

Aus dem gesammelten Untersuchungsmaterial (Fragebögen, Interviews mit Fremdsprachenlehrern, Lehrern und Müttern, Sprachenporträts von Schülern und Lehrern,) können zum jetzigen Zeitpunkt zwar keine endgültigen Ergebnisse präsentiert, aber interessante Auffälligkeiten festgehalten werden, wie u.a.:

Schüler der 5. und 6. Klasse

•          haben eine überwiegend positive Haltung zu ihrer Mehrsprachigkeit und fühlen sich von Mitschülern und Lehrern unterstützt;

•          nehmen größtenteils am Unterricht zur Pflege ihrer L1 Sprache teil;

•          empfinden Fremdsprachenlernen, besonders Englisch, als angenehm und leicht;

•          fragen bei Unsicherheiten direkt den Lehrer oder Banknachbarn.

Lehrer

•          wissen wenig über den sprachlichen und kulturellen Hintergrund der Schüler;

•          beziehen die Sprachen der Schüler im FSU kaum ein;

•          sind aber besonders bemüht, dass alle Schüler dem Unterricht sprachlich folgen können;

•          nutzen auch vorhandene schulische Unterstützungssysteme wie u.a. Schulbegleiter, Sonderpädagogen, um den Lernweg der Schüler mit Migrationshintergrund positiv zu stützen.

Erziehungsberechtigte von Kindern mit Migrationshintergrund 

•          erhalten zu Beginn wenig Informationen über die finnische Schule;

•          wurden nie über ihre sprachlichen, kulturellen Hintergründe befragt;

•          haben Kontakt zum Klassenlehrer, aber nicht zum Fremdsprachenlehrer;

•          haben vom Fremdsprachenlehrer weder Informationen über Lernstrategien noch andere Hilfestellungen erhalten;

•          sind zwar einerseits positiv zur finnischen Schule eingestellt, kritisieren aber andererseits den ihrer Meinung nach respektlosen Umgang der Schüler mit den Lehrern und teilweise die zu geringen curricularen Anforderungen.