Meine Erfahrungen mit iTEO: Philippe Gilbertz Enseignant d’un cycle 4, Ecole fondamentale de Lux-Gasperich – Verdi

1. Aspekt : Aktivitäten mit iTEO

Zu Beginn möchte ich anmerken, dass ich vor gut zehn Jahren, zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn, bereits mit dem ursprünglichen TEO-Programm erste Erfahrungen mit einem Programm machen konnte, das den Kindern ermöglichte, mündliche Texte auf eine einfache und intuitive Art und Weise auf einem Rechner zu speichern und zu bearbeiten. Da ich mit diesem Programm sehr gute Erfahrungen gemacht habe, war ich gespannt auf die aktuelle Weiterentwicklung für Tablets.

Nachdem ich meinen Schülern (Grundschule, Zyklus 4.2) die Funktionsweise des Programms kurz erläutert hatte, gab ich ihnen den Auftrag, ihr Wohnviertel in Kleingruppen von 3 Kindern vorzustellen. Hierbei sollten sie Wert darauf legen, Orte hervorzuheben die für sie von besonderer Bedeutung sind, mit dem Ziel, sich bewusst zu werden, dass ein Stadtviertel sehr viele verschiedene Facetten hat. Eigentlicher Sinn der Aufgabe war allerdings zu überprüfen, wie gut die Kinder sich mit dem Programm zurechtfinden. Erwartungsgemäß bereitete der Umgang mit iTEO den Schülern keinerlei Probleme. Besonders am Anfang war durch den Einsatz des neuen Mediums auch eine Steigerung der Arbeitsmotivation festzustellen.P.Gilbert1

Im Anschluss an diese Eingewöhnungsphase nutzten Jean Zepp, der Lehrer der Parallelklasse, und ich iTEOdann, um klassenübergreifend Kriminalgeschichten zu erfinden und aufzunehmen. Als gemeinsame Grundlage für diese Kriminalgeschichten diente eine zuvor von den Schülern im Mathematikunterricht geplante und errichtete Stadt, die aus einer Vielzahl unterschiedlicher gebastelter Quader und Würfel zusammengesetzt wurde.

P Gilbert 2In dieser Stadt befindet sich eine Brücke, die über einen Fluss führt. An dieser Brücke ereignet sich in allen Kriminalgeschichten ein Verbrechen. Des Weiteren handeln alle Geschichten von den gleichen Personen, die im Zweiklassenverbund gemeinsam erarbeitet wurden. Name und Beruf der Personen sind vorgegeben, Charaktereigenschaften und Rollenverteilung (Opfer/Täter/Zeuge/…) darf allerdings jede Gruppe für sich entscheiden. Es ist also zum Beispiel möglich, dass der Bürgermeister in einer Geschichte der Täter ist, während er in einer anderen Geschichte das Opfer einer Gewalttat wird. Bevor die Schüler mit der eigentlichen Geschichte beginnen konnten, mussten sie darum zuerst die verschiedenen Persönlichkeitsprofile der handelnden Personen ausarbeiten. Anschließend musste dann die Handlung um diese Personen herumgesponnen werden.

In einer weiteren Aktivität haben Jean Zepp und ich, erneut klassenübergreifend, ein besonderes Augenmerk auf die Beschreibung von Personen gelegt. Hierbei ging es hauptsächlich um die Beschreibung der äußerlichen Merkmale eines Menschen. Ziel dieser Übung war, die Kinder Schritt für Schritt bei der Arbeit zu begleiten, und sie mit gezielten Anregungen dazu zu bringen, ihre Beschreibung kontinuierlich zu überarbeiten und zu verbessern.

Vor dem Beginn der Aktivität wurden die Kinder in Kleingruppen eingeteilt. Jeder Gruppe wurde per Zufallsprinzip ein Portraitfoto einer Schülerin oder eines Schülers aus den beiden teilnehmenden Klassen zugeteilt. Dieses Foto sollten die Schüler dann möglichst genau beschreiben. Die so entstandene Arbeitsgrundlage wurde anschließend anhand verschiedener Hilfsmittel ergänzt und verbessert.

In chronologischer Reihenfolge handelte es sich dabei um folgende Hilfsmittel:

  • Checkliste : Liste mit Körperteilen, Aspekten und Merkmalen die man bei einem Menschen beschreiben kann.
  • Wortschatzerweiterung : Liste mit Adjektiven, die bei Beschreibungen von Menschen eingesetzt werden können.
  • Verbesserungs- oder Ergänzungsvorschläge der zu beschreibenden Person, nachdem diese sich ihre Beschreibung angehört hat.

Anschließend hatten dann alle Kinder die Möglichkeit, sich die verschiedenen Beschreibungen anzuhören und sie den passenden Fotos zuzuordnen.

2. Aspekt : Das Programm an sich

Das Aufnehmen mit iTEO gelingt sehr intuitiv. Auch ohne Vorkenntnisse schaffen es die Schüler auf Anhieb, einen gesprochenen Text aufzuzeichnen und zu speichern. Damit sind dann allerdings noch längst nicht alle Möglichkeiten die iTEO bietet ausgeschöpft, denn iTEO kann viel mehr als nur Audioaufnahmen speichern. Die meisten Funktionen sind allerdings nicht auf den ersten Blick ersichtlich, so dass sie sehr leicht übersehen werden können. Wenn man nicht weiß, dass es eine bestimmte Funktion gibt, wie zum Beispiel das Einfügen eines Bildes in eine Sprachbox, dann sucht man auch nicht danach, und nutzt dementsprechend nur einen kleinen Teil der bestehenden Möglichkeiten die das Programm bietet. Ich hätte mich über ein (Video-)Tutorial gefreut, das mir zu Beginn die verschiedenen Funktionen von iTEO aufgezeigt hätte.

Trotz aller Vorteile die die Arbeit mit einem Pad mit sich bringt finde ich es schade, dass die Software nicht auch in einer Version für Computer erhältlich ist. Die Grundschulen der Stadt Luxemburg sind alle mit Laptops ausgestattet, die den Schülern zur Verfügung gestellt werden können. iPads gehören dagegen leider nicht zum Inventar, so dass wir zum Beispiel in der Grundschule von Gasperich iTEO nicht in dem Umfang nutzen können wie wir uns das vorstellen könnten.

3. Aspekt : Persönliche Bewertung der Arbeit mit iTEO

Erwartungsgemäß hat die Arbeit auf dem Ipad den Schülern sehr viel Spaß gemacht. Die Motivation mit iTEO zu arbeiten war also vorhanden, und die entstandenen Aufnahmen können sich durchaus hören lassen. Des Weiteren ist es besonders für Lehrer/innen sehr interessant, die sprachlichen Fähigkeiten und die sprachliche Entwicklung der Schüler zu dokumentieren. Dennoch ist der größte Verdienst von iTeo meines Erachtens nicht das Endprodukt, sondern die Tatsache, dass die Schüler sich aktiv mit ihren Produktionen auseinandersetzen können. Die Möglichkeit, das Gesagte sofort nach der Aufnahme zu überprüfen und gegebenenfalls zu verändern wenn man nicht zufrieden ist, führt dazu, dass die Schüler ihre eigene Leistung sehr kritisch bewerten. Dementsprechend kommt es häufig vor, dass die Schüler ihre Aussagen mehrfach überarbeiten bevor sie sich mit dem Resultat zufrieden geben. Feedback von anderen Mitgliedern der Peer-Gruppe ist sehr hilfreich in diesem Arbeitsprozess und wird in der Regel dankend angenommen. Genau diese konstruktive Auseinandersetzung mit den eigenen Sprachproduktionen scheint mir den Kindern zu ermöglichen, ihre sprachlichen Fähigkeiten schnell und nachhaltig zu verbessern.

 

Am Fluss Grupp :
Am Fluss Grupp 3 screenshot